Hormonsprechstunde Göttingen

Prof. Dr. med. Dr. Bernd Hinney               email    

Postcoitale Kontrazeption

Zur postcoitalen Kontrazeption stehen drei Methoden zur Verfügung. Bei zwei Methoden handelt es sich um die sogenannte “Pille danach”, bei der dritten Methode um die Einlage einer Kupferspirale nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Pille danach

Seit mehreren Jahren wird eine relativ hoch dosierte Gestagengabe (1,5 mg Levonorgestrel) zur postcoitalen Kontrazeption verwendet. Der Handelsname des heute verfügbaren Präparats lautet PiDaNa®. Das Medikament soll spätestens 72 Std. (3 Tage) nach dem ungeschützen Verkehr eingenommen werden. Die Wirkung ist allerdings vom Zeitpunkt der Einnahme abhängig, je später die Einnahme erfolgt, desto geringer ist die Wirkung.

Levonorgestrel wirkt durch die Unterdrückung des mittzyklischen LH-Anstiegs, auf Grund dessen wird der Eisprung verhindert oder verschoben. Nach erfolgtem LH-Anstieg und damit auch nach einer stattgefundenen Befruchtung wirkt Levonorgestrel nicht mehr. Eine bestehende Schwangerschaft wird von dem Medikament nicht beeinträchtigt. Unerwünschte Wirkungen sind selten. Die WHO beschreibt keine medizinischen Gründe gegen die Einnahme von Levonorgestrel (s. WHO-Empfehlungen).

Das neuere Präparat EllaOne® enthält Ulipristal, einen Progesteronrezeptor Modulator, damit ähnelt das Präparat dem zur Frühabtreibung zugelassenen Präparat Mifegyne. Das Medikament kann bis zu 120 Std. (5 Tage) nach dem ungeschützen Verkehr angewendet werden.

Ulipristal wirkt ebenfalls durch die Unterdrückung des LH-Anstiegs, auch noch dann, wenn der LH-Anstieg bereits begonnen hat. Ob das Medikament auch noch nach dem Eisprung wirkt, ist bisher nicht vollständig geklärt. Die Wirkungen auf eine bestehende Schwangerschaft sind nicht ausreichend untersucht. Vor der Einnahme muss daher eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen werden.

Postcoitale IUP-Einlage

Die sicherste Methode zur Verhinderung einer Schwangerschaft ist die Einlage einer Kupferspirale bis zu 5 Tage nach dem ungeschützen Verkehr.

Wirksamkeit der verschiedenen Methoden

In der folgenden Abbildung (Abb. 1) sind die für 1.000 Frauen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr und nach Anwendung verschiedener Methoden der postcoitalen Kontrazeption zu erwartenden Schwangerschaften dargestellt. Die relativ geringe Schwangerschaftsrate ohne Anwendung einer postcoitalen Kontrazeption ist darauf zurückzuführen, dass der ungeschützte Verkehr vielfach nicht während des Zeitpunkts der höchsten Konzeptionswahrscheinlichkeit stattfindet.

Abb 1: Bei 1.000 Frauen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr zu erwartende Schwangerschaften: Ohne postcoitale Kontrazeption 80 Schwangerschaften. Nach Anwendung von 1,5 mg Levonorgestrel 10 Schwangerschaften. Nach Anwendung von Ulipristal 5 Schwangerschaften Nach Einlage einer Kupferspirale 1 Schwangerschaft (Prabakar u. Webb, BMJ 2012)

Literatur

Prabakar I, Webb A. Emergency contraception. BMJ. 2012, 344.