Stand: Febr. 2012

Hormonsprechstunde Göttingen

Prof. Dr. Dr. med. Bernd Hinney               email    

PCO-Syndrom (PCOS)

Die häufigste Ursache für Oligomenorrhoen und ovariell bedingte Amenorrhoen ist das Syndrom der polyzystischen Ovarien (PCO-Syndrom oder PCOS).

Das PCOS gehört zu den häufigsten endokrinologischen Störungen der Frau. Schätzungen zufolge beträgt die Prävalenz ca. 5 % der weiblichen Bevölkerung. Etwa 50 % der PCOS-Patientinnen sind adipös.

Die Diagnose eines PCOS wird gestellt, wenn zwei der drei folgenden Kriterien zutreffen:

  • Chronische Oligo- und/oder Anovulation
  • Klinische und/oder biochemische Zeichen eines Hyperandrogenismus
  • Polyzystische Ovarien

Andere Ursachen [kongenitale adrenale Hyperplasie (AGS), androgenproduzierende Tumoren, Cushing-Syndrom] müssen ausgeschlossen sein.

Neben den Zyklusstörungen steht beim PCOS in den meisten Fällen der Hyperandrogenismus im Vordergrund. Als klinische Zeichen gelten ein männlich betonter Behaarungstyp (Hirsutismus), androgenämisch bedingte Alopezie, Akne sowie Seborrhoe. Biochemische Marker der Hyperandrogenämie sind erhöhte Testosteron- und Androstendionwerte, nicht selten ist auch das DHEA-S erhöht. Spezifischer als das Gesamt-Testosteron sind das freie Testosteron oder der Index für das freie Testosteron (FAI). Bei mehr als 60 % der PCOS-Patientinnen findet sich ein erhöhter LH/FSH-Quotient.

Die für die Bezeichnung PCOS verantwortlichen polyzystischen Ovarien (PCO) werden am besten mit Hilfe einer transvaginalen Sonographie diagnostiziert. Nach den aktuellen Kriterien sind polyzystische Ovarien durch 12 oder mehr Follikel von 2 – 9 mm in jedem Ovar und/oder ein erhöhtes Ovarvolumen von > 10 ml definiert.

Die Pathophysiologie des PCOS ist bisher nur unzureichend geklärt. Neben genetischen Ursachen sind Umwelteinflüsse von Bedeutung, häufig findet sich eine Insulinresistenz. Die erhöhten Insulinspiegel stimulieren die ovarielle und adrenale Androgenproduktion, zudem stimuliert Insulin die LH-Sekretion und hemmt die hepatische SHGB-Synthese. In der Summe kommt es somit zur Erhöhung der bioverfügbaren Androgene.

Bei PCOS-Patientinnen ist das Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes sowie für das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen erhöht. Des weiteren besteht auf Grund der chronischen Anovulation und des dauerhaften Östrogeneinflusses ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Endometriumkarzinoms.

Nachfolgend sind einige der z. Zt. bekannten pathophysiologischen Zusammenhänge schematisch dargestellt:

Die Therapieempfehlungen richten sich nach den im Vordergrund stehenden Problemen.

    • Zyklusstörungen: Da die chronische Anovulation bei vorhandenem Östrogeneinfluss zu atypischen Veränderungen des Endometriums führen kann, ist eine zyklische Gestagengabe empfehlenswert. Falls eine Kontrazeption erwünscht ist, sollten Ovulationshemmer gegeben werden.
    • Hirsutismus, Akne: Die erhöhten Androgene können mit einem Kombinationspräparat aus Äthinylöstradiol und Cyproteronazetat oder mit antiandrogen wirkenden Ovulationshemmern gesenkt werden. Gleichzeitig schützen die Präparate das Endometrium.
    • Sterilität: PCOS-Patientinnen sind wegen der chronischen Anovulation häufig ungewollt kinderlos. Die Therapie besteht in einer vorsichtigen ovulationsauslösenden Therapie mit Clomifen oder Gonadotropinen. Die Therapie muss sorgfältig überwacht werden, da es zu polyfollikulären Reaktionen mit erhöhtem Mehrlingsrisiko und der Gefahr des ovariellen Überstimulationssyndroms kommen kann.
      In neuerer Zeit wird vor allem bei nachgewiesener Insulinresistenz eine zusätzliche Therapie mit dem Insulinsensitizer Metformin empfohlen. Metformin senkt die Androgene, bessert die Insulinresistenz, normalisiert den Zyklus und erhöht die Erfolgsrate einer Clomifentherapie.
    • Senkung des PCOS-bedingten erhöhten Krankheitsrisikos: Bei PCOS-Patientinnen ist das Risiko für ein metabolisches Syndrom erhöht. Im Vordergrund steht das erhöhte Diabetesrisiko, vermutlich kommt es auch häufiger zu kardiovaskulären Erkrankungen.

Prophylaktisch sollte allen adipösen Patientinnen eine Gewichtsreduktion dringend nahe gelegt werden. Vorrangig sind eine angepasste Ernährung und vor allem ausreichende körperliche Bewegung.    Die Gewichtsabnahme kann ggf. durch eine Metformintherapie (1.500 mg/tgl) unterstützt werden.

Ergänzende Informationen zum PCOS