Stand: Febr. 2012

Hormonsprechstunde Göttingen

Prof. Dr. Dr. med. Bernd Hinney               email    

OH-Neuentwicklungen

 

  • Anfang 2012 kommt eine Neuentwicklung auf den Markt (ZOELY®). Das Präparat der Firma MSD SHARP & Dohme GmbH enthält statt Äthinylöstradiol das natürliche Hormon Östradiol (1,5 mg). Neu ist das Gestagen NOMAC, dieses leitet sich vom 19-Norprogesteron ab und ähnelt damit Progesteron.
    Bei ZOELY handelt sich um ein Einstufenpräparat, pro Zyklus müssen 24 Tabletten genommen werden, dann folgt eine 4tägige Einnahmepause.
  • Alessia® der Firma HEXAL enthält nur noch 15 µg Äthinylöstradiol pro Pille. Es handelt sich damit derzeit um das niedrigst dosierte Präparat. Allerdings müssen im Gegensatz zu den üblichen Präparaten nicht 21, sondern 24 wirkstoffhaltige Pillen pro Zyklus genommen werden.
  • Neuerdings sind auch laktosefreie Ovulationshemmer verfügbar. Zusätzlich zu dem seit einigen Monaten verfügbarem Präparat Enriqa® - das Präparat der Firma Jenapharm ist mit Belara® vergleichbar - wird jetzt auch das schon länger auf dem Markt befindliche Präparat Valette® der Firma Jenapharm lactosefrei geliefert.
     
  • Zur postkoitalen Kontrazeption (“Pille danach”) wurde kürzlich EllaOne® (Ulipristalacetat) zugelassen. Es handelt sich bei dem Medikament um einen Progesteronrezeptor- Modulator, es ähnelt dem zur Frühabtreibung zugelassenen Präparat Mifegyne®. Im Unterschied zu den bisher zur postkoitalen Kontrazeption verfügbaren Präparaten Unofem® oder Levogynon® - Anwendung innerhalb von 72 Stunden - ist EllaOne® zur Notfallkontrazeption innerhalb von 120 Stunden (5 Tagen) nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr bzw. Versagen der Kontrazeption zugelassen.

    In einer aktuellen Arbeit wurde Ulipristalacetat mit Levonorgestrel verglichen (s. Figure 2). Im Zeitraum von 73 - 120 Std. nach dem ungeschützten Verkehr kam es nach Levonorgestreleinnahme zu einer Schwangerschaftsrate von 2,5 - 3 %, nach Ulipristalacetat trat keine Schwangerschaft auf (Glasier AF et al., Lancet 2010).

     

  • Seit kurzem ist ein neuer OH der Firma Jenapharm mit dem Namen “Qlaira®” verfügbar. Es handelt sich um eine Neuentwicklung, die statt Äthinylöstradiol das natürliche Östrogen Östradiol und das Gestagen Dienogest in einem dynamischen Dosierschema enthält (s. Abb. 1). Das Präparat kostet für 3 Monate 42,86 €.

  • Seit September 2008 ist der Ovulationshemmer Yaz® in Deutschland auf dem Markt. Yaz® entspricht weitgehend den Präparaten Aida® und Yasminelle®. Im Unterschied zu diesen Präparaten sind in Yaz® 24 - statt 21 - Pillen mit Wirkstoff enthalten, weitere 4 Pillen sind wirkstofffrei. Die Patientin nimmt somit täglich - ohne Pause - eine Pille. Durch die längere Einnahme der hormonhaltigen Pillen werden die Zyklusstabilität und die Sicherheit erhöht.
    Unter Einnahme von Yaz® kommt es, wie üblich, zu Blutungen in vierwöchentlichen Abständen.
     
  • Seit 2003 ist in Deutschland ein hormonhaltiger Vaginalring verfügbar. Das Präparat (NuvaRing®) gibt über die Dauer von 3 Wochen kontinuierlich Äthinylöstradiol und Etonogestrel ab, es entspricht damit weitgehend dem OH Lovelle®. Gegenüber der Pille ist die kontinuierliche Freisetzung der Hormone vorteilhaft, Zwischenblutungen treten seltener auf, außerdem entfallen Einnahmefehler. Die für die Pille geltenden Kontraindikationen gelten auch für den NuvaRing. (s. a. Arzneiverordnung in der Praxis Nov. 2008, S. 128).
     
  • Das Verhütungspflaster Evra® gibt kontinuierlich niedrige Dosen EE und Norelgestromin (Norgestimatderivat) ab. Das Pflaster wird wöchentlich gewechselt, nach dreiwöchiger Anwendung folgt eine einwöchige Pause. In einer Studie an 3.319 Frauen wurden 15 schwanger (Pearl-Index 1,0). Bei Frauen mit einem Körpergewicht über 90 kg war die Wirkung unzureichend.
     
  • Vergleichbar mit der Minipille ist das subdermale Gestagenimplantat (Implanon®). Das Gestagen Etonogestrel (Desogestrelderivat) wird über einen Zeitraum von drei Jahren kontinuierlich frei gesetzt. Die Wirkungen und Nebenwirkungen entsprechen weitgehend der Minipille Cerazette®. Allerdings ist die kontrazeptive Sicherheit wesentlich besser, da Anwendungsfehler nicht vorkommen. Der Pearl-Index wird z. Zt. mit 0 angegeben. Vor Insertion des Implantats ist die etwa 3monatige Anwendung der desogestrelhaltigen Minipille (Cerazette®) empfehlenswert, unerwünschte Nebenwirkungen können auf diese Weise rechtzeitig festgestellt werden.